“Ich geh nimmi nuff!” – Zum Abschied von Stefan Kuntz

“Ich geh nimmi nuff!”– an dieser Stelle wollen wir außerhalb unseres Podcasts ab und an ein paar Gedanken rund um den Betze zusammenfassen. Nachdem Stefan Kuntz zum Saisonende seinen Abschied angekündigt hat, erklärt Paul, warum dieser Schritt aus seiner Sicht richtig ist.

Stefan Kuntz verlässt den 1. FC Kaiserslautern zum Saisonende. Damit wird die Spielzeit 2015/16 endgültig zum Jahr der Umstrukturierungen bei den Roten Teufeln. Sportlich, wirtschaftlich aber auch emotional ist es sowieso längst Zeit für einen Neuanfang. Stefan Kuntz räumt seinen Posten, bevor er und sein Ansehen weiter Schaden genommen hätten.

Die tiefe Dankbarkeit aus der Anfangszeit wich der zuletzt immer stärker um sich greifenden Skepsis im Umfeld. Ist Stefan Kuntz noch der richtige Mann für den 1. FC Kaiserslautern? Eine Frage, die man sich am Betzenberg seit Wochen häufiger stellte. Er habe nicht mehr das Gefühl, so sagte es Kuntz am Montag, der richtige Mann am richtigen Ort zu sein. Eine Erkenntnis, die wie eine logische Konsequenz aus dem viermaligen Verpassen der Saisonziele klingt. Der FCK muss sich dringend erneuern. Dass Kuntz das selbst verstanden hat, ist sein vorerst letzter Verdienst um den Verein.

Im Jahr 2012, als die Lauterer krachend aus der Bundesliga flogen, vor allem bedingt durch eine völlig verkorkste Kaderplanung der sportlichen Führung, löste Kuntz auf einer emotionalen Mitgliederversammlung seinen Kredit aus den Jahren 2008 bis 2011 ein. Gebunden mit dem Versprechen, den FCK wieder in das Oberhaus zurückzuführen, stellte sich die Mehrheit der Mitglieder hinter den Vorstandsvorsitzenden. Doch weder der Wiederaufstieg, noch die Etablierung einer langfristigen Philosophie wollten gelingen. Konstant sportlicher Erfolg stellte sich nicht ein, wirkliche Konsequenzen aus dem Scheitern waren nicht zu erkennen.

Mit teuren Profis, mal Talenten und am Ende einer No-Name-Truppe lief der FCK den eigenen Ansprüchen hinterher. Umbruch folgte auf Umbruch und am Ende steht im Januar 2016 nur eines: Zweitligamittelmaß. Stieg der Druck auf den Vorstand zu stark an, wurden Trainer entlassen, ein Sportdirektor eingestellt und wenige Monate später wieder gefeuert, das Umfeld harsch kritisiert oder zum medialen Gegenangriff geblasen. Maßnahmen die das eigentliche Problem des FCK übertünchten: Ein wirklich echter Plan, an dem sich Trainer und Transfers orientierten, existierte offenbar nicht. Foda-Fußball und Runjaic-Taktik, Spieler wurden verpflichtet, wie man sie gerade brauchte. Ein Team, ein sportlicher Gedanke konnte nicht entstehen. Wie auch?

Parallel zur sportlichen Stagnation wuchsen zuletzt auch wieder die Zweifel an der wirtschaftlich soliden Lage, die Kuntz und Finanzvorstand Fritz Grünewalt immer wieder betonten. Der neuzusammengestellte Aufsichtsrat legte eine ziemliche Vollbremsung in den Transferbemühungen ein. Die konservativere, vorsichtigere Haltung des Kontrollgremiums gegenüber dem Finanzgebaren des Vorstands bedeutete auf der anderen Seite das Ende der riskanten Transferpolitik Kuntz‘.

Dazu seien die Sponsoreneinnahmen rückläufig, wie der Kicker am heutigen Donnerstag berichtet. Und auch die mittelfristig fällige Betze-Anleihe wird die wirtschaftliche Lage des FCK nicht entspannen. So mag man sich zwar in soliden, liquiden Fahrwassern bewegen, echter Spielraum existiert aber nicht mehr. Ein unkalkulierbares Risiko kann man sich auf dem Betzenberg aber nicht leisten. Das System Kuntz, wie es vor einigen Monaten ein von Fans gezeigtes Spruchband sagte, ist wirklich am Ende. Und so wäre ein neuerlicher Kurswechsel mit den gleichen, handelnden Personen nur schwer zu vermitteln gewesen. Ohnehin genoss Kuntz, im Dezember von nur noch 60% der Mitglieder entlastet, keinen großen Vertrauensvorschuss mehr.

„Der Erfolg beim Fußball hängt stark vom Kopf ab“, sagte einmal Bill Shankly, der legendäre Trainer des FC Liverpool. „Du musst daran glauben, dass du der Beste bist und dann dafür sorgen, dass es wirklich so ist.“ Was Kuntz im April 2008 und den Jahren danach gelang, woraus der FCK seit Jahrzehnten sein Selbstvertrauen speist, war ihm zuletzt nicht mehr gelungen: Der Glaube an die eigene Stärke, das Beschwören der Mentalität gegen die Großen anzukämpfen. Stattdessen flüchtete er sich immer häufiger in Klagen, prangerte mal den Spielplan, mal die Erwartungshaltung und dann wieder die Angriffe von außen an.

Doch Steuerzahlerbund, FAZ und diverse Altprofis und -funktionäre trugen wenn überhaupt nur einen kleinen Anteil zum regelmäßigen Scheitern in der Liga bei. Die Zuschauerzahlen waren rückläufig, mehr und mehr Leute wenden sich vom Klub ab. In einer Negativspirale vermochte Kuntz dem Umfeld und vielleicht auch sich selbst nicht mehr den Glauben zu geben, dass es noch einmal mit ihm aufwärts gehen könnte. Er war nicht mehr der richtige Mann am richtigen Ort. Das hat er nun selbst verstanden – und seine Konsequenzen daraus gezogen. Dem FCK bleibt die Chance auf einen Neuanfang.

Und jetzt zählt Eure Meinung! Ende nächster Woche nehmen wir eine neue Podcast-Folge auf, in der wir uns natürlich ausgiebig mit dem Rücktritt und seinen Folgen befassen wollen. Beantwortet uns einfach die folgenden Fragen per WhatsApp-Sprachnachricht an die und seid dabei!

– Habt ihr mit dem Rücktritt gerechnet?
– War es die richtige Entscheidung?
– Wie seht ihr die Vereinszukunft ohne Stefan Kuntz?
– Wie bewertet ihr die Entscheidung des Aufsichtsrates diesen Winter nicht in den Kader zu investieren?

 

 

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