“Ich geh nimmi nuff!” – Was erlaube Fans?

“Ich geh nimmi nuff!” – an dieser Stelle wollen wir außerhalb unseres Podcasts ab und an ein paar Gedanken rund um den Betze zusammenfassen. Heute möchte sich Daniel zu den Vorkommnissen am Montagabend und den Nachwehen dazu äußern und seine Sicht der Dinge schildern.

Montagabend, ca. 21:05 Uhr. Flutlichtspiel auf dem Betzenberg. Halbzeitpause. Es steht 1:0 für die Gastgeber. Die Fans pfeifen. Ich nehme es zur Kenntnis, verstehe es aufgrund der Spielweise und begebe mich in Richtung Pausentee. Auf dem Weg sehe ich einen Pressemitarbeiter im SCP-Outfit und überlege kurz, ob ich ihm beschämt mein Bedauern ausdrücken soll, dass zur Halbzeit die falsche Mannschaft führt. Ich lasse es mal lieber.

Ca. 22:05 Uhr. Abpfiff. Ich registriere nebenher einen verhaltenden Applaus, bin aber gerade in meine Arbeit vertieft. Im Augenwinkel bemerke ich, dass die Spieler nicht zu den Fans gehen und direkt in der Kabine verschwinden. Hier merke ich, dass etwas nicht stimmt. Und als ich dann  auf dem Weg zur Pressekonferenz auf Twitter lese, was sich der Teamkapitän Chris Löwe und der Cheftrainer Kosta Runjaic erlaubt haben und es später dann auch selbst sehe und höre, war ich dann doch verdutzt, geschockt, wütend.

Runjaic übt sich in Kleinrednerei

Es verdeutlicht sich, dass „Coach Kosta“ immer noch nicht verstanden hat, wie das Umfeld des Betzenberges tickt. Oder es nicht verstehen will. Vielleicht auch nicht verstehen darf. Er zeigt sich nimmermüde, seine Arbeit, seine Spielweise schönzureden. Demütig sollten die FCK-Fans anerkennen, dass der „Betze“ letztes Jahr eine tolle Saison gespielt habe. Ja, das haben sie. Bis zum Spiel in Darmstadt. Ab da wurde der komfortabel herausgespielte Vorsprung im Aufstiegsrennen verspielt.  Egal, wie oft Runjaic herbei beschwört, dass die „junge Mannschaft“ Großartiges geleistet habe – hängen bleibt die Enttäuschung. Die Enttäuschung, dass man in den letzten Spielen eine bis dahin wirklich gute Saison – auf gut Deutsch – versaut hat. Dass man wieder mindestens ein Jahr gegen Sandhausen und Heidenheim statt gegen Bayern und Dortmund spielt.  Dass jetzt Teams wie der zuschauerschwache FC Ingolstadt oder der (bei aller Sympathie) gefühlte Drittligist aus Darmstadt die großen Stadien der Republik bereisen darf. Über das Zustandekommen dieser Situation soll es hier nicht einmal gehen – aber diese Schönrednerei geht an die Substanz. Und mir persönlich auf den Sack. Vielleicht bin ich in den Augen des Vereins ein undankbares Arschloch, das sich mit dem, was hier nach Runjaic und Co. (!) möglich ist, nicht zufrieden ist.  Aber ganz ehrlich: Ich stehe dazu. Ich stehe dazu, dass ich unzufrieden bin. Mit dem Spiel unserer Mannschaft, über Wochen, gar Monate hinweg. Und mit dem Stil, wie die Verantwortlichen mit  der Situation umgehen. Wo ist das Kämpferische hin, das unseren Verein ausgemacht hat? Dieser unbändige Wille, das Ziel, das keiner nennen will, aber alle haben, zu schaffen –  den Aufstieg? Stattdessen üben sich Runjaic und Co. darin, uns kleinzureden. Den Fan zu sensibilisieren zu „es geht einfach nicht besser, gebt euch damit zu zufrieden“. Ich wünsche mir hier von einem Trainer den Ehrgeiz, sich hohe Ziele zu stecken und verdammt nochmal alles dafür zu tun, diese zu erreichen. Mit Zielen, die gefühlt bei „wir wollen irgendwo zwischen Platz 1 und 18 landen“ bringt man die Fans nicht hinter sich, und lockt erst recht keine neuen oder verloren gegangenen hinter dem Ofen hervor. Und ich bleibe dabei, Herr Runjaic, Herr Schupp und Herr Kuntz: Jedes Jahr zweite Liga, in dem wir auf Platz 4 und abwärts landen, ist für mich eine Enttäuschung.

Ich verstehe, dass man über die Pfiffe geteilter Meinung sein kann. Ich persönlich vertrete die Auffassung, dass jemand, der jedes Jahr hunderte von Euro für diesen Verein ausgibt, seine Meinung im Stadion auch kundtun darf, in welcher Form auch immer: Applaus, Jubel, Buh-Rufe, Pfiffe. Ich verstehe auch diejenigen, die die Mannschaft lieber unterstützen. Aber ganz ehrlich: Hätte Paderborn gestern auch nur einen fähigen Stürmer auf dem Platz gehabt, und keinen Stoppelkamp, der sich beim Fällen von Jenssen im eigenen Strafraum sehr viel Mühe gegeben hat, den Elfmeter zu provozieren – wir wären mit 0:2 in die Pause gegangen. Mindestens. Und dass die Fans ein Zeichen setzen und in Form der Pfiffe (zur Halbzeit, nicht während des laufenden Spiels!) einen Weckruf aussenden – dafür habe ich Verständnis. Vollstes sogar. Vielleicht haben diese Fans sogar meine Zustimmung.

Chris Löwe – die richtige Reaktion eines Mannschaftskapitäns?

Damit kommen wir aber unweigerlich zum nächsten Punkt: Selbstkritik. Ich weiß nicht genau wann, aber irgendwann in den letzten Jahren scheint man dieses Wort auf allen Ebenen aus dem Wortschatz des Betze-Duden gestrichen zu haben. Dann kommt ein Chris Löwe daher – seines Zeichens FCK-Mannschaftskapitän – und klatscht den Fans hämisch Beifall, scheucht seine Truppe nach Spielschluss sofort in die Kabine. „Bloß nicht zu den dummen Fans gehen“. Fühlt sich nach dem Spiel ungerecht behandelt. Sorry Chris, aber erwartet ihr für das, was ihr seit dem ersten Spieltag, nein, saisonübergreifend schon seit Monaten da zusammen spielt, ernsthaft Jubel und Applaus?! Ich glaube, im Nachhinein ist euch sehr wohl bewusst, dass es gestern eine schallende Niederlage  gegeben hätte, hätten wir gestern nicht gerade gegen Barfuß Betlehem gespielt. Unsere bisherigen Gegner stehen in der momentanen Tabelle allesamt auf Platz 11 abwärts. Ich traue mich nicht, auszumalen, wie wir in der momentanen Verfassung gegen Teams wie Bochum, St. Pauli oder Freiburg aussehen würden. Es war nicht nur ein schlechtes Spiel, es sind seit April letzten Jahres einfach zu viele – das sollten sich Jean Zimmer und alle anderen Spieler, die seinen Facebook-Post geteilt haben, auch hinter die Ohren schreiben. Es kann mal in einem Spiel schlecht laufen. Aber sich überhaupt nicht selbst zu hinterfragen bei den Leistungen, die seit Monaten geboten werden, das ist enttäuschend. „Kein Applaus für Scheiße“, habe ich gestern im Netz gelesen, und dem kann ich nur zustimmen.

Wie gesagt, über die Pfiffe kann man geteilter Meinung sein. Man muss aber auch bedenken, dass die nur von einem Teil der Fans kam. Auch wenn die Kritik seitens Löwe, Runjaic und Co. ebenfalls nur an einen Teil der Anhänger gerichtet war – so etwas bleibt hängen. Und ist nicht förderlich – gerade, was das sowieso schon verrüttete Verhältnis Fans-Runjaic anbelangt. Er, Kuntz und Co. müssen anerkennen, dass der Anspruch des Umfeldes eben nicht Mittelmaß in der zweiten Liga ist. Diese Fans gehören in die Bundesliga. Das wissen auch die Verantwortlichen. Und diese Fans stehen hinter euch. Solange ihr kämpft und dazu steht, was ihr leistet und was ihr sagt. Der harte Kern wird auch beim nächsten Heimspiel wieder da sein. Sie werden auch wieder mit 2000 Schlachtenbummlern in Heidenheim dabei sein. Aber verscherzt es euch nicht mit ihnen. Sie sind das wichtigste, was der Verein hat. Sie sind der Verein. Und ihr Verein ist der 1. FC Kaiserslautern. Gründungsmitglied der Bundesliga, viermaliger deutscher Meister. Wir sind keine graue Maus in der zweiten Liga. Egal, wie oft ihr versucht, das herbeizureden.

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Kummt Senf druff: In der Bringschuld (der-betze-brennt.de)

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